Was prüft eine Kaufberatung?
Eine technische Kaufberatung bewertet den tatsächlichen Zustand der Immobilie mit den Augen des Fachmanns — jenseits von frischer Farbe und Home-Staging:
- Bausubstanz: Risse, Feuchtigkeit, Dach, Keller, Statik-Auffälligkeiten
- Haustechnik: Alter und Zustand von Heizung, Elektrik, Leitungen
- Energetischer Zustand: Dämmung, Fenster, absehbare Pflichten nach Gebäudeenergiegesetz
- Sanierungsstau: Was kommt in den nächsten 5–10 Jahren auf Sie zu, und was kostet es ungefähr?
- Unterlagen: Baugenehmigungen, Nachträge, ggf. nicht genehmigte Um- oder Anbauten
Der wahre Kaufpreis: Kaufsumme plus Sanierungsbedarf
Zwei Häuser zum gleichen Preis können wirtschaftlich Welten trennen: Das eine braucht in fünf Jahren ein neues Dach und eine neue Heizung, das andere ist durchsaniert. Eine Kaufberatung übersetzt den technischen Zustand in eine Kostenprognose — und macht Objekte damit erst vergleichbar. Häufig amortisiert sich die Beratung allein durch die bessere Verhandlungsposition: Dokumentierte Mängel sind das stärkste Argument im Preisgespräch.
Besichtigung: die richtigen Fragen
- Wann wurden Dach, Heizung, Fenster und Elektrik zuletzt erneuert? Gibt es Rechnungen?
- Gab es Wasserschäden oder Feuchtigkeitsprobleme? Wie wurden sie behoben?
- Liegen alle Baugenehmigungen vor — auch für Anbauten, Dachausbau, Garage?
- Bei Wohnungen: Wie hoch ist die Instandhaltungsrücklage, welche Maßnahmen sind beschlossen?
- Warum wird verkauft, und wie lange ist das Objekt schon am Markt?
Vor dem Notartermin
Den Kaufvertragsentwurf erhalten Sie bei Verbrauchergeschäften mindestens zwei Wochen vor dem Termin — nutzen Sie diese Frist. Prüfen Sie Grundbuch (Lasten, Wegerechte, Grundschulden), die genaue Beschreibung des Kaufgegenstands und vereinbarte Zusicherungen. Technische Zusagen des Verkäufers („Dach ist neu“) gehören schriftlich in den Vertrag; mündliche Aussagen sind nach der Beurkundung praktisch wertlos.
